Kordon - mitten im Wald

Kordoner Nordgrenze im Salzleitengraben

Aus der Dienstvorschrift  für die Förster und Forstaufseher der Stadt Wien:
„Die Forste der Stadt Wien dienen der Wohlfahrt des Landes. Das Wirtschaftsziel in den Wienerwaldforsten ist die Erhaltung und Verbesserung der bestehenden Wälder in und um Wien und die Begründung neuer, zweckentsprechender, naturnaher Waldflächen zur Sicherung einer ausreichenden Zufuhr von Frischluft in das Stadtgebiet, zum Schutze des Ausflugs- und Erholungsgebietes für die Großstadtbevölkerung und zur Erhaltung der Schönheit des Landschafts- und Stadtbildes“

Die Wälder um die Siedlung Kordon werden standortbedingt (Flysch-Wienerwald) mehrheitlich durch Traubeneichen und Hain(Weiß)buchen sowie Rotbuchen gebildet. Esche, Ahorn und Linden, sowie bei genügend Lichteinfall eine durchaus üppige Strauchschicht komplettieren die natürlichen Waldbestände.

Frühere ergänzende Aufforstungen auch mit Lärchen und Kiefern, sind vorwiegend auf das Bemühen zurückzuführen, den Wald nach Kalamitäten (wilde Abholzungen nach dem ersten Weltkrieg), aber auch nach flächigen Schlägerungen im Zuge der planmäßigen Nutzung möglichst schnell wieder auch optisch als Dauerwald zu haben.

Herausragendes Beispiel für die Ursprünglichkeit eines Waldbestandes ist der Bereich des Wolfs(Moos)grabens. Aus diesem wurden im Ottakringer Anteil 10,87 ha (3,81 ha des Schottenwaldes kommen dazu) in das bundesweite Naturwaldreservate-Programm des Bundesamtes für Wald zur Sicherung waldökologisch wertvoller Altbestände genommen. Vertraglich ist festgehalten, dass jeglicher Eingriff untersagt ist. Dadurch kann die natürliche Entwicklung der Lebensgemeinschaft Wald beobachtet und bewahrt werden und daraus Schlussfolgerungen für die Betreuung und Nutzung, sowohl der Wirtschafts- als auch der Wohlfahrtswälder abgeleitet werden.

Der Wienerwald ist seit 2005 UNESCO-Biosphärenpark und damit Teil des weltweiten Netzes herausragender Kulturlandschaften mit international bedeutenden Naturwerten. Das Konzept ist ein umfassendes Entwicklungs- und Schutzinstrument. Forschung, Umweltbeobachtung und Bildungsarbeit sind zentrale Aufgabenbereiche. Die Biosphärenpark-Kernzone (besonders geschützt), vom Naturwaldreservat Wolfsgraben ausgehend in Richtung Pelzer Rennweg, ist 34 ha groß.

Der Wald allgemein, aber der Wienerwald im Besonderen (Siedlungen, Ventil für die großen Ballungsräume) muss zwangsläufig viele Funktionen erfüllen, wobei die Wohlfahrtsfunktion die Holznutzungsfunktion mancherorts stark überlagert:
Klimaregulator, Wasserspeicher, Bodensicherung, „Naturerleben als Fundament nervlich-psychischer Gesundheit” (der Psychologe, Biologe und Hygieniker Max Piperek), sozusagen das Areal des „psychosozialen Freiraums”. Gleichzeitig ist die Bereitstellung des nachhaltigen Rohstoffes Holz auf umsichtiger ökologischer Grundlage zu optimieren – nachrangig bzw. sekundär auch als Energielieferant.

(Auszug aus dem Kordoner Heimatbuch, Autor: Ing. Hannes Minich)

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