Einflugschneise frei! Die Königinnen kommen!

Für ein halbes Kilo Honig muß eine Biene rund 75.000 Kilometer weit fliegen. Fast zwei mal um den Erdball für ein Glas Honig. Glücklicherweise teilen sich viele Bienen die Arbeit. Wann hier am Kordon die letzten Völker standen, wissen wir nicht. Aber jetzt kommen sie wieder! In letzter Zeit werden gute Imkerverbände wie der von Wien-West regelrecht gestürmt. Nun suchen die JungimkerInnen nach Gärten, wo sie ihre Bienenstöcke aufstellen können.

Alain (Foto) und Stefan haben soeben die ersten beiden Jungvölker in die Zyklamengasse gebracht, weitere werden folgen. Noch sind es wenige tausend Bienen pro Volk aber sie werden täglich mehr. Die Fotos rechts zeigen sie bei der Arbeit. Da die Königinnen bis zu zweitausend Eier pro Tag legen können, werden die Völker bald auf bis zu 60.000 Bienen angewachsen sein. Hoffentlich entwickeln sie sich weiterhin gut und überleben ihren ersten Winter. Der allgemein schlechte Zustand der heimischen Honig- als auch Wildbienen hat dazu geführt, daß immer mehr Menschen zu ihrer Gesundung beitragen wollen.

Johanna, die demnächst ihre ersten Völker auch zu uns bringen wird, ist eine von ihnen: "Ich will etwas für die Natur tun und mich mehr mit ihr beschäftigen. Es ist spannend in das Leben der Bienen einzutauchen und ihr System zu verstehen." Die ewige Faszination: Bienen gibt es schon seit 60 Millionen Jahren, sie begleiten den Menschen seit Urgedenken. Den alten Griechen galten ihre Staaten als Vorbild für die Demokratie.

In Ephesos, einer der ältesten Münzprägestätten Kleinasiens, zierte lange Jahrhunderte die Biene das Geld. Ihr Honig war so kostbar wie Gold, die Heilwirkung des Propolis hoch geschätzt. Unschätzbar heute ist hingegen ihr Wert als Anzeigerin für ein gesundes Ökosystem. Wo Insektizide und Pestizide verwendet werden, wo artenreiche Hecken den Monokulturen weichen mußten und wo englischer Rasen statt einer Blumenwiese wächst, kann sie nur schwer überleben. Ebenso wie viele andere Lebewesen brauchen Honigbienen und Wildbienen eine gesunde Vielfalt an heimischen Pflanzen um satt zu werden. Unkrautvernichtungsmittel oder Blattlausgifte braucht sie nicht.

Eine Siedlung wie am Kordon kann viele Völker ernähren. Alain, der immer wieder staunt: "Der Ausblick von hier ist wirklich wunderschön!"; Alain also glaubt, daß es genügend Nektar und Pollen für seine Bienenvölker geben wird. "Wichtig ist, daß sie über die ganze Saison von Mitte März bis August/September genügend Trachtpflanzen finden. Die Bienen brauchen vor allem am Anfang viel proteinhaltigen Pollen für ihre Brut und genügend Nektar um ihr Volk neu aufzubauen." Denn es überwintert nur ein kleiner Teil des Volkes, das erst im Frühling wieder anwächst, Honig einlagert und die Pflanzen unserer Gärten bestäubt.

Reinhard, in dessen Garten bald Marion, die dritte Jungimkerin, ihre Bienen bringen wird, stampft auf wie Rumpelstielzchen: "Wir wollen schon sooo lange Bienen, weil unsere Obstbäume der Befruchtung bedürfen! Wir brauchen Bestäuber für unsere Blumen. Wir ernten kaum noch Obst, weil niemand die Bäume bestäubt."

Die Schicksale von Pflanzen, Tieren und Menschen sind untrennbar miteinander verknüpft. Seien wir achtsam! Und laßt uns mehr Honig-Apfelkuchen essen!

Junge Maden werden mit Pollen-Protein gefüttert
Flugbienen bringen verschiedenfärbige Pollen
Arbeiterinnen füllen Honigwaben

 

Text und Fotos: Valerie Rosenburg

 

Weitere nützliche Informationen:

www.imkerwienwest.at, www.imkerinnen.at

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