Konsum um jeden Preis? Weitgereiste Güter

"Jene Zwiebeln, die in meinem Garten gedeihen, auf dem Boden, den ich bearbeitet habe, mit dem Kompost, den ich übers Jahr gesammelt habe, gedüngt, deren Gedeihen ich beobachtet und deren Erntereife ich geduldig erwartet habe und die dann vom Garten in die Küche getragen werden und eine Mahlzeit bereichern. An diesen Zwiebeln kann ich meine Ansprüche ausrichten, denn ich weiß um die Mühe und den Aufwand an Zeit, und um die nicht in meiner Verfügung stehenden Kräfte ihres Wachstums, den Regen und die Sonne, und alles was im Boden kriecht und wirkt.“

(Aus „Wie viel Arbeit braucht der Mensch?“ Von Marianne Gronemeyer, Professorin für Erziehungswissenschaften)

Verantwortung beginnt beim Kauf !

Ich gehe zur Erdbeerensaison in einen Lebensmittelmarkt. Dort stehen die österreichischen Erdbeeren unmittelbar neben solchen aus anderen europäischen Staaten: Alle kosten das gleiche … oder, Moment, die am weitest gereisten sind noch um 20 Cent billiger als die Einheimischen!

Wenn man sich, in Anbetracht des oben gedruckten Zitats, die Frage stellt, warum denn nicht die einheimischen Produkte aus dem Umland wesentlich günstiger sind als die weit hergeholten, so ist man zwangsläufig mit der Preispolitik der Lebensmittelketten sowie den Förderungen der EU konfrontiert.

Die Erdbeere sei hier als ein Synonym verstanden, für die immer größer werdende Anzahl von Produkten und Angeboten, die uns täglich im Alltag begegnen (egal ob Lebensmittel oder jegliche Art von Konsumgütern).

An dieser Stelle blicke ich in meine Kindheit und springe damit gute 35 Jahre zurück. Wir freuten uns immer auf die Erdbeerensaison, weil wir in einigen km Entfernung selbst welche von der Plantage ernten und dabei gleich essen konnten: Herrlich dieser frische pflückreife Geschmack! Erdbeeren gab es nur zur heimischen Saison.

Heute wird der Reiz des Besonderen durch das Überangebot der Lebensmittelketten erstickt. Egal ob die Frucht nach etwas schmeckt oder eine lange Reise hinter sich hat: Hauptsache sie wird im Sortiment angeboten… und bei Nichtverkauf vernichtet.

Wir alle zahlen dafür einen hohen Preis: Verschwendung, Überfluss, ja Maßlosigkeit und Verlust der Wertschätzung sind die Folgen.

Satelitenbild: Riesige Glashausfelder in Campos de Dalías, Almeria, Spanien ©Nasa

Ich möchte mit einigen exemplarischen Fragen ganz bewusst und direkt die LeserInnen einladen, die persönliche Einstellung zu diesem Thema zu hinterfragen:

-> Ist es wirklich notwendig, das ganze Jahr über aus einem derartigen Überangebot wählen zu können?

-> Haben Sie schon einmal hinterfragt, wie auf der einen Seite die stetige Ausweitung der Anbauflächen mit der Vernichtung der nicht verkauften Lebensmittel auf der anderen Seite zusammenpasst?

-> Wer steckt hinter dieser Philosophie?

-> Ist es wirklich erforderlich, unzählige Tiere zu mästen und zu schlachten, wenn diese als „Müll“ enden?

-> Sind wir uns eigentlich bewusst, dass wir beim Einkauf ganz gezielt in unseren Kaufentscheidungen manipuliert werden? Stichwort „2 zum Preis von 1“ !!

-> Haben Sie schon einmal hinterfragt, warum viele Besitzer von großen Lebensmittelkonzernen zu den reichsten Menschen der Welt gehören? Nein?

-> Würde es Ihnen etwas ausmachen, wenn abends um 19 Uhr kein frisches Brot mehr im Regal liegt, wenn Sie dafür wüssten, dass es nach Ladenschluss nicht weggegeben wird?

-> Was passiert mit einem Sortiment in einem Supermarkt, dass nicht mehr gekauft wird?

-> Ist es wirklich nötig, unsere Umwelt (und damit uns selbst) in diesem Ausmaß systematisch auszubeuten und zu zerstören?

Treten wir doch alle lieber einen Schritt kürzer!

Die gute Nachricht dabei: Es geht auch anders, wie eine Vielzahl von Beispielen zeigt. Hier werden verstärkt ausschließlich regionale Produkte angeboten. Jeder kennt das Gütesiegel FAIRTRADE, das die Kosten einer nachhaltigen Produktion bei stabilen Rohstoffpreisen sicherstellt.

Längst hat in einigen Köpfen ein Umdenkprozess begonnen

Statt stetigem Wachstum und hemmungslosem Konsum bilden dabei das Denken in Kreisläufen und die Rücksicht auf die Natur die oberste Maxime.

Bitte denken Sie darüber nach!

Text: DI Klaus Albustin

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