Das Schauspiel Sonnenfinsternis

Die Darsteller

Sonne, Mond und Erde sind die Schauspieler in diesem Stück. Zur Verdeutlichung der Größen- und Entfernungsverhältnisse wollen wir unser Sonnensystem in Gedanken im Maßstab 1:100 Millionen verkleinern. Die Entfernung Wien-Paris (1000 km) schrumpft dabei auf die Länge von einen Zentimeter. Wir nehmen Platz im lauschigen ruhigen Hof des neuen Unversitätscampus (ehemaliges altes AKH, Alserstraße 4). Das ist ein sehr empfehlenswerter Ort. Hier wird neben akademischer Hirnnahrung auch Kulinarisches für den Bauch angeboten. Vor uns am Tisch liegt die Erde als stattlicher Apfel (12 cm Durchmesser), am Nebentisch in etwa 3 Meter Abstand ist der nussgroße Mond (3 cm). 1 1/2 Kilometer entfernt, über dem Stephansturm steht als zentrales Leuchtfeuer unsere Sonne in der Größe eines Heißluftballons (14 m).
Weitere Mitglieder des Ensembles Sonnensystem verlieren sich in den endlosen Weiten des Weltraums.  Jupiter als größter Planet ist eine 1,4 m Kugel in Höhenstraßen-Entfernung, erst in 60 km, bei Krems, liegt mit dem ebenfalls nussgroßen Pluto die alte Grenze unseres Planetensystems. Der nächste Heißluftballon/Stern befindet sich in 400.000 km Entfernung, also jenseits des wirklichen Mondes!

Die Handlung:

Sonne-Erde-Mond (Bildquelle Sternfreunde Bad Salzuflen)

Die großen Körper des Planetensystems bewegen sich auf kreisnahen Ellipsen und ungefähr in einer Ebene. Aber nur ungefähr: die Mondbahnebene (um die Erde) ist etwa 5 Grad gegen die Erdbahn (um die Sonne, Ekliptik) geneigt. In unserem Modell erhebt sich die Mond-Nuss bei ihrer Apfelumkreisung bis zu 30 cm über die Tischfläche und sinkt auf der anderen Seite ebenso tief drunter. In seinem monatlichen Lauf kreuzt unser Trabant somit zweimal die Erdbahnebene, die Ekliptik. Die Astronomen nennen diese Kreuzungspunkte aufsteigenden und absteigenden Knoten.
Der Neumond steht zwischen Erde und Sonne, meist wandert er aber unsichtbar oberhalb oder unterhalb der Sonne vorbei. Befindet sich der Neumond allerdings gerade in der Nähe eines Knotens, dann schiebt er sich von der Erde aus gesehen vor die Sonne und bedeckt sie teilweise oder ganz. Die Erde tritt dabei in den Mondschatten.
Der Vollmond steht von der Erde aus gegenüber der Sonne. Ist auch er gerade in Knotennähe tritt er in den Schattenkegel der Erde und es findet eine Mondfinsternis statt.

Sonnen- und Mondfinsternisse

Die Spielarten: total-ringförmig-partiell

Wegen der Größen und Abstände reicht der Kernschatten des Mondes bestenfalls bis zur Erdoberfläche. Entlang eines relativ schmalen Streifens (um die "Zentrallinie") wird dann die Sonne völlig verdunkelt, hier ist die Finsternis total. Im einer viel größeren Umgebung sehen wir die Sonne nur teilweise – partiell – bedeckt. Ist der Mond jedoch in seiner Bahn entfernter/kleiner, oder die Sonne näher/größer, bleibt auch im zentralen Bereich der Sonnenrand schmal – ringförmig - sichtbar.  Auf die ganze Erde bezogen sind Sonnenfinsternisse (totale und ringförmige) etwa 2 mal jährlich zu beobachten (ebenso Mondfinsternisse).

Der dramatische Höhepunkt ist das Erlebnis einer totalen Sonnenfinsternis:

An einem bestimmten Ort der Erde ist es ein seltenes Naturschauspiel. In den vergangenen 500 Jahren sind im Bundesgebiet Österreichs nur zwei totale Sonnenfinsternisse aufgetreten: 1842 und 1999.
Der Ablauf: Die Sonnensichel wird immer schmäler. Knapp vor der vollständigen Bedeckung scheint die Sonne nur mehr durch einzelne Täler am Mondrand, so entsteht für kurze Zeit ein gleißender Diamantring. Nun gibt die Sonnenumgebung ihr Geheimnis preis. Am Sonnenrand zeigen sich rote Fäden - Protuberanzen - es sind Gasverdichtungen entlang lokaler Magnetfelder. Mit der Gewöhnung an die Dunkelheit erscheint die Sonne von einem Strahlenkranz umgeben. Die Korona ist ein dünnes, 1 Millionen Grad heißes Gas, das mit bis zu 1000 km/s (!) laufend von der Sonne abströmt.
Der Himmel ist dunkel geworden, Sterne und Planeten werden sichtbar. Doch auch in unserer irdischen Umgebung geht Bemerkenswertes vor sich. Es wird spürbar kühler, ein Wind kommt auf, von Westen rückt eine beängstigende bleierne Dunkelheit heran, fliegende Schatten ziehen über das Land. Die Sonne geht gewissermaßen rasend schnell mitten am Firmament unter! Die Blumen schließen sich, Vögel suchen ihre Nachtplätze auf, das Wild schwankt zwischen Schlaf und Furcht.
Doch dann, plötzlich, erreichen uns wieder die ersten Sonnenstrahlen. Die nahe Umgebung leuchtet braunviolett, der Horizont erstrahlt feurig gelb, bevor das gewohnt Himmelsblau zurückkehrt. Die Beklemmung löst sich.

Totale Sonnenfinsternis vom 29. März 2006 nahe Side/Türkei

Weitere Aufführungen dieses Stückes:

Sonnenfinsternisse sind gar nicht so selten, man muß ihnen nur nachreisen. Termine und Zentrallinien der nächsten totalen Sonnenfinsternisse:
21. August 2017: Quer über die USA
2. Juli 2019: Südpazifik
14. Dezember 2020: Chile - Argentinien

Text und Foto: Karl Melber

Weitere Informationen:

Letzte Änderung: 2018-10-26 09:48

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