Unser Klima

teilautomatische Wetterstation Jubiläumswarte Foto: Tüchler

Was ist das „Klima“? Als Klima wird der durchschnittliche Zustand der Erdatmosphäre bezeichnet. Der beobachtete Zeitraum erstreckt sich über mehrere Jahrzehnte, meist 30 Jahre. Das „Wetter“ dazu im Gegensatz stellt den augenblicklichen Zustand der Atmosphäre dar und ist die Basis für das Klima. Die klimatologischen Daten und Aussagen geben also den Mittelwert, absolute Minimum- und Maximumwerte, also die Statistik des im Zeitraum vorherrschenden Wetters an.

Das Klima der Stadt Wien und der Siedlung Kordon im Speziellen ist pannonisch-subkontinental, trocken-warm mit mäßig kalten, schneearmen Wintern. Da die Strahlung in Städten anders absorbiert, reflektiert, gespeichert und weitergeleitet wird als in Regionen mit weniger Verbauung, unterscheidet sich das Klima in der Stadt von dem am Land erheblich. Dieser sogenannte urbane Effekt verändert viele meteorologische Parameter.

Das Wetterstationsnetz wird laufend erweitert. So befindet sich seit September 2009 eine neue Wetterstation direkt bei der Jubiläumswarte. Vielleicht können in einigen Jahren dank dieser neuen Station genauere Aussagen zum Wettergeschehen und Klima in der Siedlung Kordon getroffen werden.

Lufttemperatur

Die Lufttemperatur wird mithilfe von Thermometern gemessen. Diese werden aber auch durch die Strahlung von der Sonne stark beeinflusst, deshalb müssen sie abgeschattet werden, um die wirkliche Lufttemperatur (Lufttemperatur im Schatten) messen zu können.

Die Lufttemperatur wird beeinflusst durch die Strahlungsverhältnisse, Wärmeleitfähigkeit der Erdoberfläche, Seehöhe, Topographie, Wind- und Bewölkungsverhältnisse. In Städten bilden sich, wie bereits erwähnt, Wärmeinseln aufgrund des urbanen Effekts. Durch die Topographie kommt es im Wienerwald zu größeren örtlichen Unterschieden im Temperaturfeld. Im Normalfall nimmt die Temperatur mit steigender Seehöhe ab. In der unteren Schicht der Atmosphäre um rund 0,5°C pro 100m.

Die Siedlung Kordon liegt in etwa zwischen 70 und 260 Höhenmeter über der inneren Stadt, was alleine wegen der Höhenlage und unabhängig vom urbanen Effekt 0,3 bis 1,3°C Unterschied bewirkt.

Jahresmittel der Lufttemperatur, deutlich ist der Wärmeinseleffekt der Stadt Wien zu erkennen. Im Westen Wiens ist es bis zu 3 Grad kühler

Niederschlag

Durch Verdunsten erhält die Atmosphäre Wasserdampf. Das Wasser gelangt dann als Niederschlag wieder zurück zum Erdboden um anschließend wieder zu verdunsten. Niederschlag kommt in verschiedenen Formen vor: flüssig (Regen, Niesel), fest (Schnee, Graupel, Hagel) oder abgesetzt (Tau, Reif).

Auch beim Niederschlag spielt das Gelände eine große Rolle, kommt es doch beim Wienerwald trotz der geringen Höhe zu Staueffekten. Die Niederschläge haben in den zentralen Bereichen des Wienerwaldes, etwa bei Pressbaum, ein Maximum (800 mm) und nehmen nach Osten hin ab. Die Siedlung Kordon erhält im Schnitt etwa 740 mm Niederschlag pro Jahr, im Stadtzentrum von Wien fällt weniger als 600 mm. Im Schnitt gibt es im Jahr 105 Tage mit Niederschlag, wobei 21 davon Mengen über 10 mm bringen.

Die höchsten Niederschlagsummen und die meisten Tage mit Niederschlag treten im Sommer auf, ein zweites Maximum ist im November zu finden.

Jahresniederschlagsmenge in mm. Die Niederschlagsmengen sind im Zentrum des Wienerwaldes aufgrund von Staueffekten erhöht und nehmen nach Osten hin ab

Nebel

Nebel entsteht, wenn es in den unteren Schichten der Atmosphäre zu Kondensation kommt und die Sichtweite in Augenhöhe unter 1 km sinkt.

Hier spielt wieder die Höhenlage der Siedlung Kordon eine große Rolle. Vor allem durch tiefe Stratusbewölkung wird in den höheren Lagen des Wienerwalds eine mehr als doppelt so hohe Nebelhäufigkeit verzeichnet. Diese Fälle, in denen die Wienerwaldhöhen in den Wolken liegen, verhalten sich also umgekehrt zu den vorhin Erwähnten, mit flachen Nebelbänken in der Ebene.

Die innere Stadt ist auch in diesem Fall wiederum durch den urbanen Effekt begünstigt - die Wienerwaldtäler nehmen eine Zwischenstellung ein. Der Nebel beschränkt sich bei uns fast ausschließlich auf Herbst und Winter.

Nebeltage. Der Westen von Wien weist die meisten Nebeltage von Wien auf

Klimaänderung

Die Zukunft unseres Klimas genießt derzeit große Aufmerksamkeit. Doch wie weit hat sich das Klima schon in der Vergangenheit geändert? Für Wien steht eine der längsten instrumentalen Messreihen, bis in das 18. Jahrhundert, zur Verfügung.

In untenstehendem Diagramm ist die Temperatur in Wien von Beginn der instrumentellen Messungen im Jahr 1775 bis heute aufgetragen. Nach etwas wärmeren Temperaturen im 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts waren die Temperaturen unter dem Mittel des 20. Jahrhunderts. Am Ende der Zeitreihe ist die starke Erwärmung seit 1980 zu erkennen.

Welches Klima bringt die Zukunft?
Die Wissenschaft versucht mithilfe von Rechenmodellen das Klima der Zukunft zu berechnen. Der Rechenaufwand ist enorm und nur mit starken Einschränkungen und Vereinfachungen möglich. Mit größter Wahrscheinlichkeit wird die Temperatur weiter steigen. Eines der derzeit besten Klimamodelle berechnete für Wien eine Temperaturzunahme von über +5°C bis 2100, wenn keine bedeutende Reduktion der Treibhausgasemissionen erfolgt.

Jahresmitteltemperatur Wiens seit Beginn der instrumentellen Messungen (1775). dünn: einzelne Jahresmittel, dick: geglättet (10 Jahre) Quelle: ZAMG

 

(Abriss aus dem Heimatbuch Kordon, Text: Mag. Lukas Tüchler, Karten-Quelle: Auer, Böhm, Mohnl (1989), Klima von Wien)